Ein Land(auf)Schwung-Projekt

Industriekultur Tangerhütte

Bürgercafé im Neuen Schloss

Im Gartenträume-Park Tangerhütte gibt es das erste Bürgercafé der Altmark. Es befindet sich im Neuen Schloss und ist eine Idee von Bürgermeister Andreas Brohm. Das Café wurde von ihm im April 2015 eröffnet. In der ersten Saison engagierten sich etwa 100 Ehrenamtliche, begrüßten rund 2.500 Gäste und erwirtschafteten ca. 4.000 Euro Überschuss. Das Geld soll in die Sanierung des Neuen Schlosses fließen. In der zweiten Saison, im Jahr 2016, gelang es während der Saison, das Bürgercafé an jedem ersten Wochenende im Monat sowie zu besonderen Veranstaltungen durch Ehrenamtliche zu öffnen und zu betreiben. Das Café funktioniert nach dem Motto „Bürger für Bürger“. Die Nutzung des Neuen Schlosses hat sich bereits überregional herumgesprochen. Gäste kamen aus der Einheitsgemeinde, der Altmark, Sachsen-Anhalt aber auch aus anderen Bundesländern.

Öffnungszeiten: Von April bis September an jedem ersten Wochenende im Monat, Sonnabend und Sonntag jeweils von 14-17 Uhr.

Gartenträume-Park

Der wohl schönste Park der Altmark zählt heute zum touristischen Landesprojekt „Gartenträume - Historische Parks in Sachsen-Anhalt“. Er geht zurück auf den Werksbesitzer Johann Jacob Carl Franz Wagenführ. Ab 1873/1874 lässt dieser den Landschaftspark im englischen Gartenstil östlich des Fabrikgeländes anlegen. Eine hauseigene Gärtnerei produziert ausschließlich für die Grünflächen im Werk und für den Park. Dem Zeitgeschmack folgend verwendet Wagenführ auch zahlreiche fremdländische Gehölze, vor allem aus Asien und Amerika. Tangerhüttes Gartenträume-Park beeindruckt mit seinem wertvollen alten Baumbestand und einem Reichtum von etwa 100 in- und ausländischen Gehölzarten. Die weitläufige Anlage ist mit Teichen, Wasserläufen, einem aus Beton gegossenen künstlichen Wasserfall, einem berühmten Kunstguss-Gartenpavillon, Skulpturen, Brücken und Pergolen gestaltet. Zu einem besonderen Zeugnis der Industriegeschichte macht diesen Park, dass die verwendeten Eisenguss- und Kunststeingusselemente aus eigener Produktion stammen. Das einzigartige Ensemble aus historischen Fabrikgebäuden und der Parklandschaft mit Altem Schloss, Neuem Schloss und Mausoleum steht unter Denkmalschutz.

Altes und Neues Schloss

1872/73 lässt Johann Jacob Carl Franz Wagenführ in der Nähe des Werkes einen repräsentativen Wohnsitz im Stil der Neorenaissance erbauen – das spätere „Alte Schloss“. 1909 bis 1911 entsteht etwa 500 Meter entfernt das „Neue Schloss“ als Hochzeitsgeschenk für die nächste Generation. Ferdinand Rudolf Curt von Arnim, der 1889 die Witwe des verstorbenen Werksbesitzers heiratete, entwirft die neobarocke Villa für den Sohn Johann Jacob Robert Franz Wagenführ. Der Tangerhütter Künstler Otto Funke, ein Modelltischler aus dem Eisenwerk, verleiht dem Haus und seiner Umgebung standesgemäße Pracht. Sein Prunkstück ist eine raumhohe geschnitzte Kaminverkleidung mit dem Wappen der Fabrikantenfamilie, getragen von lebensgroßen Holzfiguren. Im Kaminzimmer befindet sich heute eine Außenstelle des Standesamtes. Funke fertigt auch die Modelle für zwei imposante Sphinx-Skulpturen am Eingang zum „Neuen Schloss“. Nach 1945 dienten beide Gebäude sozialen Zwecken – zuletzt als Poliklinik bzw. Seniorenpflegeheim. Das Alte Schloss steht seit 1990 leer und verfällt. Verkaufsversuche scheiterten bisher. Das Neue Schloss wird als kulturelles Zentrum, u. a. mit Ausstellungen, Konzerten und Bürgercafé, Schritt für Schritt wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Pavillon

Paris hat den Eiffelturm, Tangerhütte den Kunstgusspavillon im Gartenträume-Park. Beide entstanden anlässlich der Weltausstellung 1889 in Paris. Der Deutsche Kaiser, der Zar von Rußland und der Kaiser von Österreich schüttelten sich unter dem Lichtdach des Pavillons die Hände. Das Meisterwerk aus dem Eisenhütten und Emaillierwerk Tangerhütte besteht aus 441 Einzelteilen und wird von etwa 1000 Schrauben zusammengehalten. Trotz seiner acht Tonnen Gewicht wirkt es leichtfüßig, mit Verzierungen so filigran wie Spitze. Idee und Entwurf werden dem kunstsinnigen Ferdinand Rudolf Curt von Arnim zugeschrieben. Er hatte kurz zuvor die Witwe des Werksbesitzers Wagenführ geheiratet und die Leitung des Werkes übernommen. Vermutlich wirkte der Tangerhütter Bildhauer Otto Funke an den Modellen mit. Der Gartenpavillon kehrte mit einer Goldmedaille aus Frankreich zurück und zog in den Park ein. Weil sich die Familie dort gern den Fünf-Uhr-Tee servieren ließ, wird er auch Teehäuschen genannt. 1994 ging der Pavillon noch einmal auf Reisen– von Rost zerfressen. Die Lauchhammer Kunstguß GmbH & Co KG restaurierte ihn in ihren Werkstätten. Zwei Jahre später war er in alter Schönheit wiederauferstanden.

Wasserfall und Mausoleum

Zu den Wahrzeichen des Tangerhütter Gartenträume-Parks gehört das Mausoleum. Der markante helle Backsteinbau mit Kuppeldach und großer Freitreppe wurde 1883 als letzte Ruhestätte für die Verstorbenen der Familie Wagenführ erbaut. Die Wagenführ von Arnims verließen Tangerhütte im Juli 1945 kurz vor dem Einmarsch der sowjetischen Truppen. Seitdem gab es im Mausoleum keine Bestattungen mehr. Es verwahrloste und wäre beinahe abgerissen worden. In den 1980er-Jahren wurden die Gebeine aus der desolaten Gruft auf den Tangerhütter Friedhof umgebettet. Eine aufwendige Sanierung rettete das Gebäude Anfang der 1990er-Jahre vor dem Verfall. Vom Mausoleum führt eine Sichtachse zu einer aus Beton gegossenen künstlichen Felsformation mit Wasserfall im Zentrum des Parkes. Er wird heute aus großen Zisternen gespeist.